Warum Trusq auf europäischer Infrastruktur läuft
Trusq ist eine Kundenservice-Plattform für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland. Gleich am Anfang unserer Produktanforderungen steht eine Regel, die seitdem fast jede technische Entscheidung geprägt hat: keine US-Unterauftragsverarbeiter in unserer zentralen Daten-Pipeline. Jedes Ticket, jede Kundennachricht und jede Antwort, die unsere KI entwirft, verarbeiten also nur Unternehmen, die nicht dem US-Recht unterliegen.
Das klingt nach Marketing. Deshalb will ich erklären, warum es für uns eine technische Vorgabe ist, wofür wir uns deswegen entschieden haben und was es uns kostet.
Warum Datenhaltung in der EU nicht reicht
Alle großen US-Cloud-Anbieter haben Regionen in der EU, und die Daten bleiben dort auch wirklich in Frankfurt oder Dublin. Entscheidend ist aber, wem das Unternehmen gehört, das die Server betreibt. Nach US-Recht, vor allem nach dem CLOUD Act und Section 702 des FISA, kann ein Anbieter mit Sitz in den USA verpflichtet werden, Daten herauszugeben. Dabei ist egal, wo die Daten gespeichert sind. Seit der Europäische Gerichtshof mit dem Schrems-II-Urteil den Privacy Shield gekippt hat, muss jede Übermittlung personenbezogener Daten dorthin begründet und geprüft werden.
Für viele unserer Kunden ist das keine Theorie. Wir arbeiten zunehmend mit Steuerberatern und Kanzleien, und die unterliegen der beruflichen Schweigepflicht. Sie wollen wissen, wohin die Daten ihrer Mandanten gehen und wer zur Herausgabe gezwungen werden könnte. Diese Frage beantworten wir lieber mit einer kurzen Liste europäischer Unternehmen als mit einem Stapel Transfer Impact Assessments.
Wofür wir uns entschieden haben
Für die Infrastruktur haben wir vier Anbieter verglichen: Hetzner, OVHcloud, IONOS und die EU-Region von AWS. Gewonnen hat Hetzner. Hetzner ist ein deutsches Unternehmen ohne US-Mutterkonzern, die Rechenzentren stehen in Falkenstein, Nürnberg und Helsinki, und die Preise liegen weit unter denen der Hyperscaler. Für ein junges Unternehmen zählt das. Außerdem kennen unsere Kunden den Satz „gehostet bei Hetzner in Deutschland" und vertrauen ihm. OVHcloud ist unser dokumentierter Fallback.
Darauf betreiben wir Kubernetes selbst, mit k3s und aufgesetzt mit OpenTofu. Dateien liegen im Object Storage von Hetzner. Dafür brauchen wir kein Transfer Impact Assessment, weil Hetzner eine deutsche juristische Person ist. Für die KI, die Antworten entwirft, nutzen wir Mistral aus Frankreich. Als wir uns den Markt im März 2026 angesehen haben, gab es unter den europäischen Anbietern keine ernsthafte Alternative mit einer produktionsreifen API.
Wenn ein Dienst eine weitere ausländische Firma in den Datenfluss gebracht hätte, haben wir ihn lieber selbst betrieben. Unsere ausgehenden E-Mails laufen inzwischen über unseren eigenen Mailserver statt über einen Versanddienst. Auch die Abrechnung, die Suche und das Error Tracking hosten wir selbst. Mit jedem dieser Schritte ist ein Unternehmen weniger an den Daten unserer Kunden beteiligt.

Jedes Unternehmen im Datenfluss und die eine Ausnahme.
Was es kostet
Umsonst ist die Entscheidung nicht, und die Kosten haben wir gleich mit aufgeschrieben. Die Managed Services von Hetzner sind weniger ausgereift als die von AWS oder Azure. Deshalb betreiben wir mehr selbst: den Kubernetes-Cluster, die Datenbank, die Message Queue und den Mailserver. Das ist mehr Arbeit für ein kleines Team, und wir müssen darin gut sein. Die beiden deutschen Standorte von Hetzner liegen außerdem nicht weit voneinander entfernt. Echte geografische Redundanz heißt also Helsinki oder ein zweiter Anbieter. Und manche größeren Kunden fragen immer noch, warum wir nicht auf AWS sind. Unsere Antwort steht in diesem Artikel.
Auch die KI hat ihren Preis. Der Markt für gehostete Modelle europäischer Anbieter ist kleiner als das Angebot aus den USA. Für Kunden mit beruflicher Schweigepflicht gehen wir noch weiter: Bei ihnen läuft die KI nur auf Infrastruktur, die wir selbst betreiben. Wo das noch nicht verfügbar ist, bekommen diese Workspaces gar keine KI, statt auf ein gehostetes Modell auszuweichen. Das haben wir bewusst so entschieden, und dazu kommt ein eigener Artikel.
Die eine Ausnahme
An einer Stelle machen wir eine Ausnahme, und das sagen wir lieber selbst, bevor es jemand anderes findet. Viele Kunden unserer Kunden schreiben ihnen über WhatsApp oder Instagram, und beides gehört zu Meta. Meta ist deshalb unsere einzige genehmigte Ausnahme. Sie ist mit einem Transfer Impact Assessment dokumentiert und durch die EU-Standardvertragsklauseln und das EU-US Data Privacy Framework abgedeckt. Für WhatsApp nutzen wir die Datenspeicherung in der EU, und wir prüfen die Ausnahme neu, sobald sich die Rechtsgrundlage ändert. Jeder Kunde verbindet diese Kanäle selbst, und in unserem Tarif für Berufsgeheimnisträger gibt es sie gar nicht.
Was sich übertragen lässt
So eine Vorgabe hält man am leichtesten ein, wenn man sie gleich am Anfang als Regel mit Begründung aufschreibt. Dann lässt sich jede spätere Entscheidung daran messen, und man muss nicht jedes Mal neu diskutieren. Unsere Regel hat uns Optionen gekostet, mehr Betriebsaufwand gebracht und ab und zu ein Gespräch mit einem Einkäufer, der einen bekannten Namen hören wollte. Dafür haben wir ein Produkt, dessen Datenfluss wir auf einer Seite erklären können.